Clipper ist ein Compiler der xBase-Sprachfamilie, entwickelt von der Nantucket Corporation ab 1985. Während dBASE als Interpreter eine dBASE-Installation zum Ausführen brauchte, übersetzte Clipper die xBase-Programme in eigenständige EXE-Dateien für DOS — schneller und ohne Lizenzkosten pro Arbeitsplatz. Computer Associates übernahm Nantucket 1992 und vertrieb CA-Clipper 5.x weiter.

Kernbefehle

USE kunden            && Tabelle öffnen
SELECT 2              && Arbeitsbereich wechseln
? name, str(preis)    && Ausgabe
@ 10,5 SAY "Name:"    && Bildschirmposition
@ 11,5 GET vorname    && Eingabefeld
READ                  && Eingaben einlesen
DO WHILE !EOF()       && Schleife bis Dateiende
FOR i := 1 TO 10      && Zählschleife
IF / DO CASE          && Verzweigungen
FUNCTION / PROCEDURE  && eigene Routinen
INDEX ON name TO ndx  && Index bauen
SET ORDER TO 1        && Index aktivieren
INKEY()               && Tastendruck lesen

Funktionen und Umfeld

Typische Hilfsfunktionen waren RECNO() (Datensatznummer), EOF()/BOF() (Dateigrenzen), LASTREC() (Anzahl Datensätze) und DBF() (aktiver Dateiname). Das Makro & erlaubte dynamische Befehle zur Laufzeit. Drittanbieter wie FiveWin und Clip4Win ergänzten GUI-Fähigkeiten.

Harbour und xHarbour

Nach dem Ende von CA-Clipper startete Antonio Linares 1999 das Open-Source-Projekt Harbour (GPL-kompatibel): ein portabler, Clipper-kompatibler Compiler mit modernen Erweiterungen, gebaut über hbmk2. xHarbour ist ein funktionsreicherer Fork. So läuft klassischer Clipper-Code noch heute auf Windows, Linux und macOS.

Clipper ist damit der wichtigste Beweis, dass xBase über den Interpreter hinauswuchs — dieselbe Syntax wie xBase und dBASE, aber als kompilierte, verteilbare Anwendung. Wer Legacy-xBase migriert, landet häufig bei SQL-Datenbanken; im Bereich der Office-Automatisierung ist VBA das moderne Gegenstück.