Eine Gaslöschanlage ist eine Feuerlöschanlage, die einen Brand mit einem gasförmigen Löschmittel bekämpft. Sie wirkt je nach Mittel durch Sauerstoffverdrängung, durch Wärmeentzug oder chemisch über einen Kettenabbruch in der Flammenreaktion. Mit gasförmigen Löschmitteln ist grundsätzlich nur Raumschutz möglich, also das Löschen in umschlossenen Schutzbereichen; eine Ausnahme ist der Objektschutz mit Kohlendioxid, etwa für Druckmaschinen.

Wann Gas statt Wasser

Gaslöschanlagen kommen dort zum Einsatz, wo andere Feuerlöschanlagen das Risiko nicht beherrschen oder unverhältnismäßig hohe Löschfolgeschäden verursachen würden. Löschwasser oder Schaum richtet in Archiven, Bibliotheken, Schalt- und Technikräumen sowie in Rechenzentren oft größeren Schaden an als das Feuer selbst — Gaslöschanlagen löschen dort rückstandsfrei.

Die Löschmittel im Überblick

  • Kohlendioxid (CO₂) — verdrängt Sauerstoff, für Raumschutz und Objektschutz; wegen der Erstickungsgefahr nur mit strengen Personenschutzmaßnahmen.
  • Inertgase — Argon (IG-01), Stickstoff (IG-100) sowie Gemische wie Argonite (IG-55) und Inergen (IG-541).
  • Chemische Löschmittel — halogenierte Kohlenwasserstoffe wie HFC-227ea (Handelsname FM-200) oder HFC-23 sowie das Perfluorketon FK-5-1-12 (Novec 1230).

Inertgase: Löschen durch Sauerstoffentzug

Inertgase wirken über den Stickeffekt: Sie verdrängen den Luftsauerstoff, bis die Verbrennung nicht mehr aufrechterhalten wird. Zumeist erlischt das Feuer bereits bei einem Sauerstoffanteil von 13,8 Vol.-%. Dafür muss rund ein Drittel des Luftvolumens verdrängt werden, was einer Löschgaskonzentration von etwa 34 Vol.-% entspricht. Brennstoffe, die mit sehr wenig Sauerstoff auskommen — etwa Acetylen, Kohlenmonoxid oder Wasserstoff — brauchen höhere Konzentrationen. Personen müssen den Löschbereich vor dem Einströmen verlassen; in Hochdrucksystemen lagert das Gas in Flaschen bis 300 bar, in Niederdrucksystemen tiefkalt in isolierten Behältern.

Chemische Löschmittel: Wärmeentzug

Halogenierte Löschmittel entziehen der Flamme Wärme und unterbrechen so die Verbrennungsreaktion. Sie wirken schnell und verdrängen den Sauerstoff nur minimal, was sie für Menschen in begehbaren Bereichen verträglicher macht — der Bereich ist dennoch zu verlassen, weil die Brandgase selbst gesundheitsgefährdend sind. Bevorratet werden sie in Stahlflaschen mit Stickstoffpolster und 25 bis 50 bar; beim Auslösen strömt das Mittel flüssig bis zu den Düsen und wird dort feinst vernebelt. Novec 1230 ist bei Raumtemperatur selbst eine Flüssigkeit, verdampft am Düsenaustritt, löscht innerhalb von Sekunden und hinterlässt keine Rückstände; es zählt chemisch zu den PFAS. Klassisches Halon ist seit 2004 für zivile Anwendungen verboten, weil es die Ozonschicht zerstört.

Steuerung, Normen und Personenschutz

Angesteuert wird die Anlage von der Brandmeldeanlage: Die BMZ gibt die Brandalarmmeldung an die elektrische Steuereinrichtung (EST) weiter, die die Löschanlage auslöst. Die EST wird nach EN 12094-1 geprüft; die Verbindung zwischen BMZ und EST beschreibt die VdS-Richtlinie 2496 als Standardschnittstelle Löschen. Sind BMZ und EST in einem Gehäuse, spricht man von einer Kombi-Zentrale.

Ausgelegt wird eine Anlage über die Auslegungskonzentration, die einen Sicherheitsfaktor enthält. Innerhalb der Flutungszeit muss ein definierter Anteil davon erreicht werden — die Normen nennen hier 95 % der Auslegungskonzentration. Danach folgt die Haltezeit, in der die Konzentration im Raum gehalten wird. Für den Personenschutz fordert die DGUV Information 205-026 optische und akustische Alarmierungseinrichtungen in Form von Blitzlampen und Hupen, die den bevorstehenden Löschvorgang ankündigen.

Als Regelwerk dienen die EN-15004-Reihe, die auf der ISO-14520-Reihe aufbaut, sowie in Deutschland die VdS-Richtlinien 2093, 2380 und 2381; die Systeme benötigen eine VdS-Anerkennung nach VdS 2454. Detektiert wird der Brand meist über ein Rauchansaugsystem. Weil die Anlage selbst überwacht und im Fehlerfall gemeldet werden muss, hängen Steuerung und Meldetechnik an einer USV beziehungsweise an einem Notstromaggregat.