Das Border Gateway Protocol (BGP) ist das Routing-Protokoll, das die autonomen Systeme (AS) des Internets miteinander verbindet. Ohne BGP wüsste kein Router im Internet, wie er Datenpakete von einem Netz in ein anderes weiterleitet.

Autonome Systeme und Pfad-Vektor-Routing

Ein autonomes System ist ein zusammenhängendes Netzwerk unter einer Verwaltung, meist ein Internetdienstanbieter oder ein großes Rechenzentrum. BGP arbeitet als Pfad-Vektor-Protokoll: Jede Ankündigung eines IP-Präfixes enthält die Liste der autonomen Systeme (AS_PATH), die der Weg bereits durchlaufen hat. Damit lassen sich Schleifen erkennen und der kürzeste beziehungsweise beste Weg auswählen.

BGP-4 ist die aktuelle Version und im RFC 4271 standardisiert. Die Kommunikation läuft über TCP auf Port 179 — BGP verlässt sich damit auf die zuverlässige Übertragung von TCP. Man unterscheidet eBGP (zwischen verschiedenen autonomen Systemen) und iBGP (innerhalb eines autonomen Systems); iBGP skaliert über Route Reflectors, damit nicht jeder Router mit jedem sprechen muss.

Routing-Entscheidungen

BGP wählt unter mehreren Wegen anhand von Attributen: der längste Präfix gewinnt, danach LOCAL_PREF, die AS_PATH-Länge und weitere Kriterien wie MED. Anders als Interior-Gateway-Protokolle misst BGP keine Bandbreiten oder Verzögerungen — es vertraut auf die Ankündigungen der Nachbarn.

Sicherheit: BGP-Hijacking und RPKI

Genau dieses Vertrauen ist die Schwachstelle. 2008 kündigte Pakistan Telecom versehentlich den YouTube-Präfix 208.65.153.0/24 an; der Fehler verbreitete sich global und legte YouTube für Stunden lahm. Gegen solche BGP-Hijacks hilft RPKI (Resource Public Key Infrastructure): Netzbetreiber veröffentlichen digitale ROA-Einträge (Route Origin Authorizations), die kryptografisch belegen, welches autonome System einen Präfix ankündigen darf. Router, die Origin Validation umsetzen, verwerfen ungültige Ankündigungen.

Verwandte Grundlagen: Netzwerkprotokoll, DNS, TLS-Handshake, Edge-Router, IP-Adresse, IPv4/IPv6, VXLAN, SDN.