Rack-Montage und Serverraum sind die physischen Grundlagen. Vieles davon klingt nach Handwerk – aber ein falsch aufgebautes Rack führt zu Ausfällen durch Überhitzung, zu Stromproblemen und zu Wartungszeiten, die niemand einplant.
\nDie Maßeinheit: Höheneinheiten
\n1 HE (Hoeheneinheit, englisch 1U) = 44,45 mm\nEin 19-Zoll-Rack ist 19 Zoll (482,6 mm) breit,\ngemessen an den Befestigungsschienen.\n\nTypische Bauhoehen:\n 1U 48,3 cm tief, oft 4-8 Festplatten\n 2U 6-12 Festplatten, mehr Erweiterungsmoeglichkeiten\n 4U Tower-aehnlich, viel Platz fuer Karten und Laufwerke\n\nRackhoehen:\n 24 HE 42 HE 47 HE sind ueblich\n # Man braucht immer ein paar HE Reserve.\n # Faustregel: 20 % Reserve einplanen.\n\nPraktische Abmessungen pruefen (werden oft vergessen!):\n - Einbautiefe des Racks (600 oder 800 mm? 1000 mm?)\n - Tiefe der Server inklusive Kabelbiegeradius\n - Blenden und Kabelmanagement belegen zusaetzlich Platz\n - Stromleisten brauchen auch Platz (hinten, 0 HE\n bei vertikaler Montage, sonst 1-2 HE)\n # Ein Server, der mechanisch passt und hinten die\n # Kabel nicht unterbringt, ist ein Problem,\n # das erst beim Einbau auffaellt.\nGewicht und Einbau
\nGEWICHT - die wichtigste Zahl vor dem Einbau:\n Ein 2U-Server mit 24 Festplatten wiegt 25-35 kg.\n Ein 4U-Speichersystem kann 60-100 kg wiegen.\n # Viele Server haben deshalb SCHIENEN (mit\n # Auszugsmechanik), nicht nur Winkel.\n # Und: Ein 30-kg-Server in 2 m Hoehe einzubauen\n # braucht ZWEI Personen. Immer.\n\n Traglast des Racks pruefen (meist 500-1000 kg) und\n des BODENS (Bodenplatten in Rechenzentren sind\n meist auf 500-1000 kg/m2 ausgelegt).\n\nEINBAU-REGELN:\n 1) Reserve-HE NICHT zwischen Geraete streuen,\n sondern oben zusammenfassen (bessere Kuehlung,\n Platz fuer spaeter).\n 2) Schwerste Geraete unten (Schwerpunkt, Sicherheit).\n 3) Tiefe Geraete hinten gekuehlt - Kuehlluft\n kommt von vorne!\n 4) Kabelmanagement-Traeger einplanen (1 HE je 4-8 HE).\n 5) Blend- und Blindplatten in ungenutzten HE\n # Ohne sie geht die Kuehlluft im Kreis statt\n # durch die Server - ein kalter Gang mit\n # uebersprungenen HE funktioniert nicht.\n # Das ist die billigste Kuehlungsverbesserung.\n\nBESCHRIFTUNG:\n # Jedes Geraet vorne UND hinten mit\n # - Inventarnummer\n # - Hostname\n # - Portbelegung (bei Netzwerktechnik)\n # - IP-Adresse\n # beschriften. Beschriftungsdrucker, keine Handschrift!\n # Wer im Ausfall sucht, will nicht raten muessen.\nStromversorgung
\nLEISTUNGSAUFNAHME richtig rechnen:\n 1) Typenschildwert (maximal) ist NICHT der Betriebswert!\n Ein Server mit 800 W Netzteil verbraucht im\n Betrieb bei 30 % Auslastung etwa 250 W.\n 2) Bei der Planung trotzdem mit Reservedenken:\n Grundlast (gemessen) x 1,3 Reserve\n + Reserve fuer Erweiterungen\n 3) Der Einschaltstrom ist hoeher (Netzteil-\n Kondensatoren laden sich) - das kann\n Schutzschalter ausloesen.\n\nSTROMKREISE UND PHASEN:\n # Zwei Netzteile MUESSEN an zwei unabhaengigen\n # Kreisen haengen - nicht an derselben Leiste!\n # Farbe der Leisten zur Kennzeichnung nutzen\n # (rot = A, blau = B).\n # Bei Drehstrom: Falsche Verteilung kann\n # Schieflast erzeugen. Elektriker einbeziehen!\n\nSTECKER UND LEISTEN:\n C13/C14 (10 A, "Kaltgeraetestecker")\n C19/C20 (16 A, fuer groessere Systeme)\n # Kein Mehrfachstecker, keine Kaskade!\n # Jede Leiste mit eigener Absicherung.\n\nUSV (unterbrechungsfreie Stromversorgung):\n Zweck: 1) Ueberbrueckung kurzer Ausfaelle (Sekunden)\n 2) Sauberes Herunterfahren bei laengeren\n 3) Schutz vor Spannungsspitzen\n # WICHTIG: Die USV NUR fuer die Ueberbrueckung zu\n # nutzen ist die halbe Wahrheit - entscheidend ist,\n # dass ein SIGNAL ans System geht und ein\n # geordnetes Herunterfahren ausgeloest wird.\n # Ohne das schaltet die USV eines Tages einfach ab\n # und der Server stirbt unsauber.\n # Konfiguration: nut (Network UPS Tools) oder\n # apcupsd, Verbindung per USB oder Netz,\n # Test: Batterie und Last einmal jaehrlich pruefen.\n # Batterien halten 3-5 Jahre - danach ist die\n # USV eine schwere, teure Steckdosenleiste.\n\nWICHTIGE KENNZAHL:\n Wirkungsgrad (Effizienz der USV/Netzteile)\n # Bei doppelter Umwandlung (USV) sinkt der\n # Wirkungsgrad. Gute Netzteile schaffen 94-96 %\n # im Arbeitsbereich, sind aber bei 10 % Last\n # deutlich schlechter (Effizienzkurve!).\n # Deshalb: USV nicht dreimal ueberdimensioniert\n # betreiben - sie arbeitet dann im schlechten\n # Bereich.\nKühlung
\nLUFTFUEHRUNG - der wichtigste Punkt:\n Kaltgang vorne, Warmgang hinten. Geräte ANSAUGEN\n VORNE, AUSBLASEN HINTEN.\n # Wer einen Server verkehrt einbaut, heizt das\n # Rack und die Nachbarn.\n\nStrategien:\n Kaltgang-Einhausung\n # Tue ren oder Dach - die wirksamste Massnahme\n # fuer kleinen Aufwand.\n Warm-/Kaltgang-Trennung (auch ohne Einhausung)\n # Voraussetzung: Blindplatten in freien HE,\n # Kabeldurchfuehrungen geschlossen (Buersten)!\n Frischluftkuehlung\n # Wo moeglich, sehr guenstig im Betrieb\n Freie Kuehlung\n # Aussenluft, wenn die Temperatur passt\n\nTEMPERATUR:\n Kaltgang 24-27 °C sind heute Standard\n # Frueher 20 °C - das war zu kalt und teuer.\n # Hoehere Temperatur spart deutlich Kuehlenergie.\n Eingangstemperatur der Geraete: 18-27 °C zulaessig\n # ASHRAE-Empfehlungen sind heute 18-27 °C fuer\n # Klasse A1/A2 (Rechenzentrum).\n Warmgang 30-40 °C\n # KRITISCH: Feuchte beachten (40-60 %).\n # Zu trocken: elektrostatische Entladung.\n # Zu feucht: Kondensation.\n\nMESSEN STATT RATEN:\n # Temperatursensoren vorne UND hinten je Rack.\n # Ohne Messung im Warmgang weiss man nicht,\n # ob die Kuehlung wirkt - und ob es "heisse\n # Flecken" gibt (ein Rack, das 10 °C waermer ist).\n # Sehr praktisch: Ein Handthermometer fuer\n # Stichproben. Die Oberwellen (Server-Blende)\n # sollten sich nicht heiss anfuehlen.\nPrüfliste
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- Sind Höheneinheiten und Tiefe vor dem Einbau geprüft (inklusive Kabelbiegeradius)? \n
- Sind ungenutzte HE im Kaltgang mit Blindplatten verschlossen? \n
- Sind Kabeldurchführungen geschlossen (kein Luftkurzschluss)? \n
- Hängen die zwei Netzteile an unabhängigen Stromkreisen? \n
- Ist die USV mit einem Signal zum geordneten Herunterfahren verbunden und getestet? \n
- Ist die USV-Batterie jährlich geprüft (Lebensdauer 3–5 Jahre)? \n
- Sind Temperatursensoren vor und hinter einem kritischen Rack? \n
- Ist eine Kaltgang-Einhausung vorhanden oder geplant? \n
- Sind alle Geräte vorne und hinten beschriftet (Hostname, Inventarnummer, Ports)? \n
- Ist die Gewichtsverteilung sinnvoll (schwer unten)? \n
- Sind die Lüfterfilter gereinigt (Staub = Wärmestau)? \n
- Ist der Serverraum zutrittsgeschützt und dokumentiert? \n
Häufige Fehler
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- Offene HE im Kaltgang. Die Kühlluft geht im Kreis statt durch die Server. Blindplatten sind die billigste Kühlungsmaßnahme überhaupt. \n
- Kabeldurchführungen offen. Der zweithäufigste Kurzschluss der Luftführung. Bürsten einbauen. \n
- Beide Netzteile an derselben Leiste. Redundanz, die keine ist. \n
- USV ohne Herunterfahr-Signal. Die USV schaltet irgendwann ab und der Server stirbt unsauber – mit möglichem Datenverlust. \n
- Alte USV-Batterien. Nach 5 Jahren hält die USV Sekunden statt Minuten – und niemand merkt es bis zum ersten echten Ausfall. \n
- Server verkehrt eingebaut. Hinten ansaugen, vorne ausblasen: Das Rack heizt sich selbst. \n
- Gewicht unterschätzt. Ein 4U-Speichersystem wiegt bis 100 kg. Zwei Personen, Schienen, und Bodentraglast prüfen. \n
- Keine Temperaturmessung. „Es ist kühl hier“ ist kein Messwert. Ohne Sensor weiß man nichts über heisse Flecken. \n
- Kühlung zu kalt eingestellt. 20 °C Kaltgang statt 27 kostet doppelt für die Kühlung und hilft niemandem. \n
- Kabel ohne Management. Ein Kabelknäuel vor den Lüftungsgittern behindert die Luftführung – und die Fehlersuche. \n
- Lüfterfilter nie gereinigt. Staubige Filter führen zu Überhitzung und Lüfterlärm. \n
Verwandte Grundlagen: Green IT, USV, Rechenzentrum, Server-Hardware auswählen.