Server-Hardware auswählen ist eine Frage der Abwägung zwischen Leistung, Ausfallsicherheit, Verbrauch und Lebensdauer. Die häufigsten Fehlentscheidungen entstehen nicht bei der CPU, sondern bei Speicher, Redundanz und Wartbarkeit.
\nCPU: Kerne, Takt und Auswahl
\nDie entscheidende Frage: Was ist die Arbeitslast?\n\nSINGLE-THREAD-LAST (Webserver, Datenbank mit\n vielen kleinen Abfragen, Anwendungen mit\n wenigen parallelen Nutzern)\n -> hoher TAKT ist wichtiger als viele Kerne\n -> 8 Kerne mit 4,0 GHz schlagen 32 Kerne mit 2,0 GHz\n\nPARALLELE LAST (Big-Data, Rendering, Kompilierung,\n viele gleichzeitige Nutzer, Container-Host)\n -> viele KERNE sind wichtiger\n -> 32 Kerne mit 2,5 GHz sind besser\n\nKennzahlen, die zaehlen:\n Basistakt / Boost-Takt wichtig bei wechselnder Last\n Kerne / Threads wichtig bei paralleler Last\n Cache (L3) wichtig bei Datenbanken\n Speicherbandbreite wichtig bei Datenanalyse\n TDP wichtig fuer Kuehlung/Strom\n Speicherkanaele Mehr Kanaele = mehr Bandbreite!\n\nWICHTIG - die haeufigste Fehlentscheidung:\n Alle Kerne voll ausgenutzt? Bei den meisten\n Servern liegt die Auslastung bei 5-25 %.\n # Bevor man Kerne kauft: AUSLASTUNG MESSEN.\n # Ein Server mit 32 Kernen bei 8 % Auslastung ist\n # teuer in Beschaffung, Lizenz (bei Core-Lizenzen!)\n # und Strom.\n\nKern-Verhaeltnis zur virtuellen Maschine:\n CPU-Ueberbuchung (overcommit) 2:1 bis 4:1 ist\n bei vielen kleinen VMs ueblich und sinnvoll\n # Aber NICHT bei Datenbanken und rechenintensiven\n # Diensten - dort ist die Reserve echt noetig.\n # Ein "Steal Time" ueber 5 % bedeutet: Der Host\n # gibt nicht genug CPU - die VMs warten.\n\nKernlizenzierung beachten:\n Manche Datenbanken und Anwendungen lizenzieren\n NACH KERNEN. Ein 64-Kern-Server kann in der\n Lizenz teurer sein als die Hardware!\n # Zweimal rechnen: Hardware + Lizenz.\nArbeitsspeicher
\nMenge: Die Regel "so viel wie noetig" braucht Zahlen:\n - Datenbank: Der Arbeitspuffer (cache/buffer pool)\n sollte die Arbeitsdatenmenge fassen\n - Anwendungsserver: 2-8 GB je Anwendung\n - Virtualisierung: Summe der VM-Zusagen + 10-20 % Reserve\n # Praxis: Auslastung ueber 2 Wochen messen.\n # Ein Server mit 128 GB und 20 % Nutzung ist ein\n # Kandidat fuer Konsolidierung.\n\nFehlerkorrektur (ECC) - PFLICHT bei Servern!\n Speicherfehler sind selten, aber wenn sie auftreten,\n sind sie katastrophal: Sie veraendern Daten\n unbemerkt. Ein einzelnes gekipptes Bit in einer\n Datenbank kann einen Datensatz unbrauchbar machen.\n ECC erkennt und korrigiert Einzelbitfehler.\n # Ohne ECC laeuft der Server mit einem Risiko,\n # das niemand messen kann. Server OHNE ECC gehoeren\n # nicht in die Produktion.\n # Pruefmöglichkeit: dmidecode -t memory | grep -i ecc\n\nRegistered / Buffered (RDIMM) gegen Unbuffered (UDIMM):\n RDIMM fuer Server, groessere Mengen (bis TB),\n Pufferregister entlasten den Speichercontroller\n UDIMM fuer Arbeitsplaetze, kleinere Mengen\n # NICHT MISCHEN und nicht verwechseln! Ein Server\n # mit RDIMM-Steckplaetzen laeuft mit UDIMM nicht.\n # Beim Kauf immer die Kompatibilitaetsliste des\n # Herstellers pruefen - "passt mechanisch" heisst\n # nicht "laeuft".\n\nSpeicherkanaele nutzen:\n # Bei 8 Steckplaetzen und 8 Kanaelen: alle bestuecken.\n # Falsche Bestueckung (nur ein Kanal) kostet\n # die Haelfte der Bandbreite - und die merkt man\n # bei Datenbanken und Analysen deutlich.\n\nBestueckung und Erweiterbarkeit:\n # Bei der Erstbestellung lieber groessere Module\n # (weniger Module bestueckt, Platz fuer spaeter).\n # 4x32GB statt 8x16GB, wenn nur 4 von 8 Bänken\n # gebraucht werden.\n # ACHTUNG: Manche Server reduzieren den Takt bei\n # Vollbestueckung! Pruefen.\nSpeicher: NVMe, SSD, HDD
\nTECHNOLOGIE ZUGRIFFSZEIT DURCHSATZ EINSATZ\nNVMe 20-100 us 3-14 GB/s Datenbanken,\n virtuelle Maschinen,\n Zwischenspeicher\nSATA-SSD 100-200 us 500-550 MB/s Betriebssystem,\n Anwendungen\nSAS-HDD (10-15k) 5-10 ms 200-300 MB/s gemischte Last\nSATA-HDD (7,2k) 8-15 ms 150-250 MB/s Archive, Sicherungen\n\nENTSCHEIDENDE KENNZAHLEN (nicht nur Kapazitaet!):\n IOPS (Eingabe/Ausgabe pro Sekunde) <- das Wichtigste\n Durchsatz (MB/s) <- nur bei grossen Dateien\n Schreibausdauer (TBW, DWPD) <- Lebensdauer!\n Latenz <- bei Datenbanken entscheidend\n Ausfallschutz (Stromausfallschutz im Laufwerk)\n\n # Ein Datenbankproblem ist fast immer ein IOPS-Problem,\n # nicht ein Kapazitaetsproblem.\n\nLebensdauer:\n TBW = insgesamt beschreibbare Datenmenge\n DWPD = Schreibvorgaenge je Tag (bezogen auf Kapazitaet)\n # Eine SSD mit 1 DWPD und 1 TB haelt 1 TB Schreiben\n # pro Tag ueber 5 Jahre = 1825 TB\n # Eine "Consumer"-SSD mit 0,3 DWPD haelt nur 550 TB -\n # bei Datenbanklast ist sie in Monaten verschlissen!\n # Pruefen: smartctl -a /dev/nvme0 | grep -i wear\n # Available Spare, Percentage Used\n\nRAID-Ebene:\n RAID 1 Spiegelung, 50 % Nutzung - einfach, sicher\n RAID 5 Paritaet, (n-1)/n - ACHTUNG: Wiederherstellung\n kann bei grossen Platten Tage dauern, und\n ein zweiter Ausfall in der Zeit = Totalverlust\n RAID 6 Zwei Paritaeten, (n-2)/n - fuer Archive\n RAID 10 Spiegelung + Streifen, 50 % - beste Leistung\n und schnelle Wiederherstellung, hoher Preis\n # Fuer Datenbanken: RAID 10.\n # Bei NVMe: RAID 5 meiden (Wiederherstellungszeit!)\n # Empfehlung heute: NVMe im RAID 1 oder RAID 10.\n\nWICHTIG: RAID ist KEINE Sicherung!\n # Ein RAID schuetzt vor dem Ausfall einer Platte,\n # nicht vor Loeschen, Verschluesselung, Versehen\n # oder einem Ausfall des Servers.\n # RAID + Datensicherung, nicht statt.\nRedundanz: Strom, Netzwerk, Kühlung
\nNetzteile:\n Zwei Netzteile an ZWEI UNABHAENGIGEN Stromkreisen\n # Haengen beide an derselben USV oder demselben\n # Stromkreis, ist es keine Redundanz - nur\n # ein zweiter Stecker.\n # Pruefen: Nach dem Ziehen eines Netzsteckers\n # muss der Server ohne Meldung weiterlaufen.\n # Und: Ein Netzteil im Leerlauf kann ueber Jahre\n # unbemerkt ausfallen! Regel: einmal jaehrlich\n # abwechselnd je ein Netzteil ziehen (im\n # Wartungsfenster).\n\nNetzwerk:\n Zwei Netzwerkkarten, Bonding/Teaming\n Modus 1 (aktiv/passiv): funktioniert immer\n Modus 4 (LACP): braucht Switch-Unterstuetzung,\n Lastverteilung, aber pro Verbindung keine\n doppelte Geschwindigkeit\n # Zwei Karten im selben Switch: schuetzt nur\n # gegen Kartenausfall, nicht gegen Switchausfall.\n # Zwei Switches = zwei Karten. Bonding ueber\n # zwei Switches (MLAG/VPC) braucht Konfiguration.\n\nLuefter:\n Redundante Luefter sind Standard. WICHTIG:\n Pruefen, dass die Drehzahlueberwachung wirklich\n alarmiert. Ein Luefterausfall im Sommer kann\n zum Heruntertakten oder Ausfall fuehren.\n # Ueberwachung: ipmitool sdr | grep -i fan\n\nManagement (BMC/IPMI/iDRAC/iLO):\n Immer vorhanden bei Servern - und absolut\n notwendig fuer den Betrieb.\n # WICHTIG: Das Management-Interface gehoert in\n # ein EIGENES Verwaltungsnetz, NICHT ins Internet!\n # Standardkennwoerter aendern, Benutzer anlegen,\n # Firmware aktuell halten (Sicherheitsluecken\n # im BMC sind ein bekannter Angriffsweg).\n # Ausstattung: Konsolenumleitung (KVM ueber Netz),\n # virtuelles Laufwerk (ISO einbinden!), Berichte\n # und Zustaende.\nPrüfliste
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- Ist die Auslastung des Vorgängers gemessen (Kerne, Speicher, IOPS)? \n
- Ist ECC-Speicher vorhanden? \n
- Sind alle Speicherkanäle korrekt bestückt? \n
- Sind RDIMM/UDIMM korrekt und nicht gemischt? \n
- Sind IOPS und Schreibausdauer der Laufwerke ausreichend (nicht nur Kapazität)? \n
- Sind Netzteile an unabhängigen Stromkreisen? \n
- Sind Netzwerkkarten redundant (bei kritischen Servern)? \n
- Ist das Management-Interface in einem eigenen Netz? \n
- Sind die Standardzugangsdaten des BMC geändert? \n
- Ist die BMC-Firmware aktuell? \n
- Sind Rahmenvertrag und Ersatzteilverfügbarkeit geklärt (Lieferzeit!)? \n
- Ist der Server im Inventar mit Lebenszyklusdatum erfasst? \n
Häufige Fehler
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- Speicher ohne ECC. Bei Servern unverzeihlich. Datenfehler können unbemerkt bleiben. \n
- IOPS nicht geplant. Eine Datenbank kann an 500 IOPS scheitern, während 10 TB Kapazität ungenutzt sind. \n
- Consumer-SSD im Server. Nach Monaten Schreiblast verschlissen – mit Datenverlust. \n
- RAID 5 bei großen NVMe. Die Wiederherstellung dauert lange und kann scheitern. RAID 10 oder RAID 6. \n
- „Redundante“ Stromversorgung an einer USV. Kein Schutz gegen den Ausfall der USV. \n
- Zweite Netzwerkkarte nicht benutzt. Sie liegt brach, bis sie im Notfall – mit veralteter Konfiguration – gebraucht wird. \n
- Speicherkanaele nicht genutzt. Falsche Bestückung kostet die halbe Bandbreite bei gleichen Kosten. \n
- BMC im Internet mit Standardpasswort. Ein bekannter, schwerwiegender Fehler. Das Management gehört ins Verwaltungsnetz. \n
- Lüfterausfall ohne Alarm. Im Sommer führt das zum Heruntertakten oder Abschalten. \n
- RAID mit Sicherung verwechselt. RAID schützt vor Plattenausfall, nicht vor Versehen. \n
- Kernlizenzen übersehen. Ein 64-Kern-Server kann in der Lizenz mehr kosten als die Hardware. \n
Verwandte Grundlagen: NVMe-SSDs, ECC-Speicher, RAID-Verbünde, IPMI und Redfish.