EVPN (Ethernet VPN, RFC 7432) verlagert das MAC- und IP-Lernen in die Steuerungsebene: Die PE-Geräte tauschen MAC-/IP-Routen über Multiprotocol-BGP (Address-Family l2vpn evpn) aus, statt Overlay-Frames zu fluten. Zusammen mit VXLAN als Datenpfad entsteht daraus das Standard-Rechenzentrums-Fabric. Die Konzepte erklärt der Artikel EVPN; hier folgen die Kommandos für Cisco NX-OS und Arista EOS.
Cisco NX-OS (VXLAN-EVPN)
Zunächst werden Overlay- und BGP-Features aktiviert und das VLAN auf eine VNI abgebildet:
feature bgp
feature nv overlay evpn
feature vn-segment-vlan-based
vlan 100
vn-segment 10100
interface nve1
source-interface loopback0
member vni 10100
ingress-replication protocol bgp # Replikation über BGP
Dann wird die EVPN-Adress-Family im BGP-Prozess eingerichtet und die VNI mit Route-Targets versehen:
router bgp 65001
neighbor 10.0.0.2 remote-as 65001
address-family l2vpn evpn
send-community extended
evpn
vni 10100 l2
rd auto
route-target import auto
route-target export auto
Die BGP-Grundlagen dazu stehen in BGP-Befehle. Wichtige Anzeigen:
show bgp l2vpn evpn summary # EVPN-Nachbarn und Routenzähler
show bgp l2vpn evpn route-type 2 # MAC/IP-Routen (Type 2)
show l2route evpn mac # gelernte MACs aus EVPN
Arista EOS
Auf Arista-Switches übernimmt das Vxlan1-Interface die Kapselung, die EVPN-Routen laufen über die BGP-Adress-Family evpn:
interface Vxlan1
vxlan source-interface Loopback0
vxlan udp-port 4789
vxlan vlan 100 vni 10100
router bgp 65001
neighbor 10.0.0.2 remote-as 65001
neighbor 10.0.0.2 update-source Loopback0
address-family evpn
neighbor 10.0.0.2 activate
Anzeige und Fehlersuche:
show bgp evpn summary # EVPN-Sitzungen
show bgp evpn route-type mac-ip # MAC/IP-Routen
show vxlan address-table # Overlay-MAC-Tabelle
EVPN ist der moderne Ersatz für VPLS: gleiche L2-Dienste, aber mit BGP-Steuerung und ohne MAC-Fluten im Kern. Die reine Kapselung ohne EVPN zeigt VXLAN-Befehle.
Verwandte Grundlagen: EVPN (Konzept), VXLAN (Datenpfad), BGP-Befehle (MP-BGP-Konfiguration) und MAC-Learning als abgelöstes Verfahren.
VXLAN (Virtual Extensible LAN, RFC 7348) kapselt Ethernet-Frames in UDP-Pakete und hebt damit die 4094-VLAN-Grenze auf: Jeder Mandant erhält eine eigene Overlay-Netzwerk-ID (VNI, 24 Bit). Die Konzepte erklärt der Artikel VXLAN; hier folgen die konkreten Kommandos für Linux und Cisco NX-OS.
Linux (iproute2)
Der Linux-Kernel kann VXLAN nativ: Ein VXLAN-Interface wird mit ip link add vom Typ vxlan angelegt. Das einfachste Modell verbindet zwei Hosts Punkt-zu-Punkt:
ip link add vxlan100 type vxlan id 100 dstport 4789
local 10.0.0.1 remote 10.0.0.2 dev eth0
ip link set vxlan100 up
ip addr add 10.10.0.1/24 dev vxlan100
id setzt die VNI (1-16777215), dstport 4789 den Standard-UDP-Port (IANA), remote den entfernten VTEP und dev das Underlay-Interface. Für mehrere Mandanten oder dynamisches MAC-Lernen hängt man das VXLAN-Interface an eine Linux-Bridge — der Bridge-Port lernt dann die MAC-Adressen wie bei einem normalen Switch:
ip link add br0 type bridge
ip link set br0 up
ip link set vxlan100 master br0 # VXLAN-Port der Bridge
bridge fdb append 00:00:00:00:00:00 dev vxlan100 dst 10.0.0.2
Die FDB-Zeile mit der All-Zero-MAC ist der Flood-Eintrag: Unbekannte Unicast-, Broadcast- und Multicast-Frames gehen an den entfernten VTEP. Anzeige und Diagnose:
ip -d link show vxlan100 # Konfiguration inkl. VNI, Port, Modus
ip link show master br0 # FDB-Einträge des Bridge-Ports
bridge fdb show dev vxlan100
Cisco NX-OS
Auf Nexus-Switches aktiviert man das Overlay-Feature und bildet VLANs auf VNIs ab. Die folgende Variante nutzt die statische Ingress-Replication ohne EVPN-Control-Plane:
feature nv overlay
feature vn-segment-vlan-based
vlan 100
vn-segment 10100 # VNI zum VLAN 100
interface nve1 # Network Virtualization Edge
source-interface loopback0
member vni 10100
ingress-replication protocol static
peer-ip 10.0.0.2 # Remote-VTEP manuell eintragen
Die NVE-Schnittstelle ist die VTEP-Konfiguration auf NX-OS; jede VNI wird dort als Member mit ihrer Replikationsart (statisch, Multicast oder BGP) aufgeführt. Wichtige Anzeigen:
show vxlan vni # VNI-Tabelle: VLAN, VNI, Zustand
show nve interface # VTEP-Status, Source-Interface
show mac address-table vni 10100 # gelernte MACs im Overlay
In Rechenzentren wird die Control-Plane fast immer durch EVPN-Befehle ersetzt — der Klassiker über MPLS bleibt VPLS.
Verwandte Grundlagen: VXLAN (Konzept), EVPN (BGP-Steuerung), Ethernet-Frame als gekapselte Einheit und Bash-Befehle für die Linux-Werkzeuge.
Hot Standby Router Protocol (HSRP) ist Ciscos proprietäres Verfahren für einen redundanten Gateway: Ein Router ist Active, der zweite Standby, beide teilen sich eine virtuelle IP. Dieses Protokoll wird mit den standby-Befehlen direkt im Interface eingerichtet. Die Grundlagen erklärt der Artikel HSRP.
Grundkonfiguration
interface GigabitEthernet0/1
ip address 192.168.1.1 255.255.255.0
standby 1 ip 192.168.1.254 # virtuelle IP der Gruppe 1
standby 1 priority 110 # 1-255, Standard 100; hoeher = Active
standby 1 preempt # Active-Uebernahme nach Erholung
standby 1 track GigabitEthernet0/0 20
standby 1 authentication md5 key-string geheim
Der zweite Router nutzt dieselbe Gruppen- und virtuelle IP mit niedrigerer Priorität. Ohne preempt bleibt der ursprüngliche Active-Router nach einem Failover dauerhaft Backup — preempt ist bei HSRP standardmäßig aus, anders als bei VRRP. track senkt die Priorität um den angegebenen Wert, wenn das verfolgte Interface (etwa die WAN-Strecke) ausfällt.
Version 2 und IPv6
HSRP Version 2 wird global aktiviert und erweitert die Gruppen von 0-255 auf 0-4095; nur sie beherrscht IPv6:
standby version 2
interface GigabitEthernet0/1
standby 1 ipv6 fe80::1 # virtuelle IPv6-Adresse
standby 1 priority 110
standby 1 preempt
Die virtuelle MAC-Adresse lautet bei v1 0000.0c07.acXX (XX = Gruppe), bei v2 0000.0c9f.fXXX.
Anzeige und Diagnose
show standby brief # kompakte Uebersicht: Interface, Gruppe, Prio, State
show standby # Details inkl. virtueller MAC und Timer
debug standby # Protokoll-Ereignisse live verfolgen
In show standby brief markiert ein P in der Prio-Spalte, dass Preempt konfiguriert ist.
Verwandte Grundlagen: VRRP-Befehle (offener Standard), GLBP-Befehle (aktiv-aktiv mit Lastverteilung), FHRP als Oberbegriff.
Gateway Load Balancing Protocol (GLBP) ist Ciscos Erweiterung der Gateway-Redundanz ins Aktiv-Aktiv-Modell: Statt eines passiven Standby-Routers verteilt ein Active Virtual Gateway (AVG) den Datenverkehr auf bis zu vier Active Virtual Forwarder (AVF), die gleichzeitig aktiv sind. Die Grundlagen liefert der Artikel GLBP, hier folgen die Kommandos.
Grundkonfiguration
interface GigabitEthernet0/1
ip address 192.168.1.1 255.255.255.0
glbp 1 ip 192.168.1.254 # virtuelle IP der Gruppe 1
glbp 1 priority 110 # entscheidet ueber die AVG-Wahl
glbp 1 preempt # AVG-Uebernahme nach Erholung
glbp 1 load-balancing round-robin # Standard: round-robin
Der zweite Router erhält dieselbe Gruppen- und virtuelle IP mit niedrigerer Priorität. Weil jeder AVF eine eigene virtuelle MAC-Adresse besitzt, kann GLBP Antworten auf ARP-Anfragen im Wechsel (round-robin), gewichtet oder abhängig vom anfragenden Host (host-dependent) vergeben:
glbp 1 load-balancing weighted
glbp 1 weighting 120 lower 10 upper 110 # Gewicht mit Schwellen
glbp 1 weighting track GigabitEthernet0/0 30
Fällt ein Interface aus, senkt track das Gewicht; unterschreitet es die untere Schwelle, verliert der Router seine AVF-Rolle und der AVG verteilt dessen Last neu.
Weitere Optionen
glbp 1 timers 3 10 # Hello-/Hold-Timer in Sekunden
glbp 1 authentication md5 key-string geheim
glbp 1 preempt delay minimum 60 # Wartezeit vor Uebernahme
Die Gruppennummer gehört bei GLBP immer zum Befehl — ein nacktes glbp preempt ohne Nummer ist ungültige Syntax und wird verworfen.
Anzeige und Diagnose
show glbp brief # je Gruppe: AVG/AVF-Zustand, virtuelle MACs
show glbp # Details zu Gruppe, Gewichten und Load-Balancing
debug glbp # Protokoll-Ereignisse
Verwandte Grundlagen: VRRP-Befehle und HSRP-Befehle (beide Aktiv-Standby), FHRP als Oberbegriff, Load-Balancer als verwandtes Konzept.
Das Virtual Router Redundancy Protocol (VRRP) stellt einen virtuellen Gateway mit fester IP und MAC-Adresse bereit; ein Router ist Master, die übrigen warten als Backup. Dieser Artikel zeigt die konkreten Kommandos für die drei häufigsten Umgebungen: Linux mit keepalived, Cisco IOS und MikroTik RouterOS. Die Konzepte dahinter erklärt der Artikel VRRP.
keepalived (Linux)
keepalived ist die verbreitetste VRRP-Implementierung für Linux. Die Konfiguration steht in /etc/keepalived/keepalived.conf:
global_defs {
router_id LVS_DEVEL
}
vrrp_instance VIP1 {
state MASTER # MASTER oder BACKUP
interface eth0 # Netzwerk-Interface
virtual_router_id 55 # VRID 1-255, muss im LAN einheitlich sein
priority 150 # hoeher = Master (255 = IP-Inhaber)
advert_int 1 # Werbe-Intervall in Sekunden
authentication {
auth_type PASS # einfaches Passwort
auth_pass geheim # gleiches Passwort auf allen Knoten
}
virtual_ipaddress {
192.168.1.254/24 # die virtuelle IP (VIP)
}
track_script {
check_apiserver # optional: Health-Check-Skript
}
}
Das Skript check_apiserver wird in einem vrrp_script-Block definiert; liefert es keinen Erfolg zurück, senkt keepalived die Priorität und der Backup-Knoten übernimmt. Aktiviert wird der Dienst mit systemctl enable --now keepalived, der Status lässt sich mit systemctl status keepalived und ip addr show eth0 (erscheint die VIP?) prüfen. Ohne VRRP-Konzept-Wissen helfen die Details im Artikel VRRP.
Cisco IOS
Auf Cisco-Geräten wird VRRP direkt im Interface konfiguriert:
interface GigabitEthernet0/1
ip address 192.168.1.1 255.255.255.0
vrrp 1 ip 192.168.1.254 # virtuelle Adresse der Gruppe 1
vrrp 1 priority 110 # 1-255, Standard 100
vrrp 1 preempt # Wiederuebernahme bei hoeherer Prioritaet
vrrp 1 track GigabitEthernet0/0 20 # Prioritaet -20 bei Ausfall
vrrp 1 authentication geheim
Der zweite Router erhält dieselbe Gruppe mit niedrigerer Priorität (z. B. 100). Anzeige und Diagnose: show vrrp brief zeigt je Interface Gruppe, Priorität und Zustand (Master/Backup), show vrrp die Details, debug vrrp die Protokollereignisse.
MikroTik RouterOS
RouterOS kennt VRRP als Interface-Typ, seit Version 6 unter /interface vrrp, in Version 7 unter /interface/vrrp:
/interface vrrp add interface=bridge1 vrid=55 priority=150 interval=1 version=3 authentication=yes password=geheim name=vrrp1
/ip address add address=192.168.1.254/24 interface=vrrp1
Der Backup-Router erhält dieselbe VRID mit niedrigerer Priorität. Status: /interface vrrp print und /interface vrrp monitor vrrp1 once (zeigt Master-/Backup-Zustand). Version 3 beherrscht auch IPv6.
Verwandte Grundlagen: HSRP-Befehle (Cisco-eigene Alternative), GLBP-Befehle (aktive Lastverteilung), FHRP als Oberbegriff und Failover als Ziel.