Eine Zertifikatskette (Certificate Chain, auch Chain of Trust) ist die Kette von Zertifikaten, die ein Server-Zertifikat mit einer vertrauenswürdigen Wurzel verbindet: Root-Zertifikat → Zwischenzertifikat → Endzertifikat. Über diese Kette vererbt sich das Vertrauen von der Zertifizierungsstelle bis zum konkreten Webserver.
Die drei Glieder
- Root-Zertifikat: Die Wurzel der PKI. Ihr öffentlicher Schlüssel ist im Trust-Store von Betriebssystem und Browser vorinstalliert. Der private Root-Schlüssel liegt meist offline in einem Hardware-Security-Modul.
- Zwischenzertifikat (Intermediate): Von der Root signiert, stellt es die eigentlichen Server-Zertifikate aus. So bleibt die Root weitgehend ungenutzt und im Sicherheitsfall muss nur das Intermediate getauscht werden.
- Endzertifikat (Leaf): Das eigentliche Server-Zertifikat für eine Domain, signiert vom Intermediate.
Wie prüft der Browser die Kette?
Der Server sendet beim TLS-Handshake sein Endzertifikat plus die benötigten Zwischenzertifikate. Der Client baut daraus die Kette bis zu einem vertrauten Root im Trust-Store auf und prüft dabei: Passt die Signatur jeder Stufe zur darüberliegenden? Ist jedes Zertifikat in seinem Gültigkeitszeitraum? Stimmen Schlüsselverwendung und Domain-Namen? Fehlt ein Zwischenzertifikat, schlägt die Verifikation auf manchen Geräten fehl („unable to verify the first certificate“) — der Server muss die Kette vollständig ausliefern, das Root-Zertifikat selbst gehört nicht dazu.
Zusatzmechanismen
Die Zertifikate tragen X.509-Erweiterungen, die den Kettenaufbau steuern: Basic Constraints markieren ein Zertifikat als CA und begrenzen die Kettenlänge, Authority Information Access nennt den Aussteller, CRL Distribution Points verweisen auf Sperrlisten. Certificate Transparency macht die Ausstellung öffentlich nachvollziehbar, und OCSP (bzw. dessen Stapling) prüft den aktuellen Widerrufsstatus einzelner Glieder.
Verwandte Grundlagen: PKI, X.509, Zertifizierungsstelle, CRL, TLS-Handshake.