Das Online Certificate Status Protocol (OCSP, RFC 6960) ist ein Protokoll zur Echtzeit-Abfrage des Widerrufsstatus einzelner X.509-Zertifikate. Statt einer großen, regelmäßig aktualisierten Sperrliste beantwortet ein OCSP-Responder die Frage: Ist genau dieses Zertifikat noch gültig?

Wie funktioniert OCSP?

Der Client schickt die Seriennummer des zu prüfenden Zertifikats an den OCSP-Responder der Zertifizierungsstelle. Der Responder antwortet mit einer kryptografisch signierten Statusmeldung:

  • good — das Zertifikat ist nicht widerrufen,
  • revoked — das Zertifikat wurde widerrufen (mit Datum und Grund),
  • unknown — der Responder kennt das Zertifikat nicht.

Damit ist der Status immer aktuell, und es muss keine CRL heruntergeladen werden. Nachteil: Jede neue Verbindung erzeugt einen zusätzlichen Netzwerk-Roundtrip zum Responder, und die CA erfährt, wann welche Zertifikate geprüft werden — ein Datenschutzthema.

OCSP Stapling

Beim OCSP Stapling (formell TLS Certificate Status Request, RFC 6066) holt der Server die signierte OCSP-Antwort für sein eigenes Zertifikat selbst ein und hängt sie dem TLS-Handshake an. Der Client muss den Responder nicht kontaktieren — das spart den Roundtrip und entlastet die CA. Die Erweiterung Must-Staple im Zertifikat erzwingt, dass der Server überhaupt stappeln muss.

Schwächen und Wandel

Browser behandeln OCSP-Abfragen meist als soft fail: Ist der Responder nicht erreichbar, gilt das Zertifikat trotzdem als gültig — ein Angreifer kann die Abfrage also blockieren. Chrome nutzt deshalb eigene komprimierte Widerrufslisten (CRLSets), Firefox experimentierte mit OCSP-Blocking und setzt heute auf das CRLite-Verfahren. Let's Encrypt stellte den OCSP-Dienst im August 2025 komplett ein; der Widerrufsstatus wird dort nur noch über CRLs verbreitet. OCSP bleibt für andere CAs und interne PKI-Strukturen relevant.

Verwandte Grundlagen: CRL, Zertifikatskette, Zertifizierungsstelle, TLS-Handshake, Zertifikat.