Ein Patchkabel (auch Rangierkabel oder Anschlusskabel) ist ein kurzes, biegsames Netzwerkkabel mit einem Stecker an beiden Enden — meist RJ45. Es stellt die bewegliche Verbindung her: vom Rechner zur Anschlussdose an der Wand, oder im Netzwerkschrank von einem Patchpanel zum Switch. Fest verlegte Kabel verschwinden in Wand und Decke, das Patchkabel bleibt steckbar.
Litze statt Massivleiter
Der Unterschied zum festen Installationskabel liegt im Inneren. Ein Installationskabel führt Massivleiter: je Ader ein einzelner Kupferdraht. Er hat weniger Leitungsdämpfung und ist für die feste Verlegung gedacht — aber er bricht, wenn man ihn oft biegt. Ein Patchkabel führt dagegen Litzen: viele feine Einzeldrähte je Ader. Das macht es flexibel und biegefreudig, genau richtig für ein Kabel, das häufig umgesteckt oder bewegt wird.
Weil Litze und Massivleiter unterschiedlich sind, passen auch die Stecker nicht zusammen: RJ45-Stecker gibt es in einer Litzen- und einer Massivleiter-Version. Die Litzenvariante krallt sich in die vielen feinen Drähte, die Massivvariante in den starren Einzeldraht. Ein falscher Stecker hält zwar mechanisch, Kontakt und Dämpfung sind aber unsicher.
Aufbau und Belegung
Wie jedes Kupfer-Netzwerkkabel enthält ein Patchkabel vier verdrillte Adernpaare, also acht Adern in Twisted-Pair-Bauweise. Die Adern werden nach T568A oder T568B auf den RJ45-Stecker aufgelegt — innerhalb einer Verkabelung darf man die beiden Varianten nicht mischen. Ein normales Patchkabel ist 1:1 verdrahtet (gerade): Pin 1 auf Pin 1 und so weiter. Die früher nötigen Crossover-Kabel, bei denen Sende- und Empfangspaare getauscht sind, braucht man nur noch für alte Geräte ohne Auto-MDI-X.
Kategorien, Schirmung, Längen
- Kategorie: Patchkabel gibt es von Cat 5e bis Cat 8. Für Gigabit reicht Cat 5e oder Cat 6, für 10 Gbit/s über die volle Strecke Cat 6a.
- Schirmung: U/UTP ist ungeschirmt, S/FTP hat einen Gesamtgeflechtsschirm plus Folienschirm um jedes Paar. Geschirmte Kabel helfen gegen Einstrahlung und Übersprechen, müssen aber sauber geerdet sein.
- Länge: Üblich sind 0,3 bis 25 Meter. In der normgerechten Strecke zählen die Patchkabel zusammen höchstens zehn Meter — je fünf Meter an den beiden Enden.
Damit Power over Ethernet funktioniert, muss das Kabel für den Strom auf den Datenadern ausgelegt sein; die dünnen Litzen leiten dabei etwas schlechter als ein Massivleiter, was bei kurzen Patchstrecken aber kaum ins Gewicht fällt.
Abgrenzung
Das Patchkabel ist die bewegliche, das Installationskabel die feste Seite einer Verkabelung. Im Ganzen fügen sich beide mit Patchpanel und Anschlussdose zur strukturierten Verkabelung zusammen. Bei Glasfaser spricht man ebenfalls von Patchkabeln oder Rangierkabeln — dort verbinden sie die Steckplätze von Switches und die Lichtwellenleiter-Verteiler.
Verwandte Grundlagen: Twisted Pair, Koaxialkabel, Ethernet, Netzwerkkarte, Lokales Netz, Kabel und Glasfaser.