MPTCP (Multipath TCP) ist eine Erweiterung von TCP, die es einer einzigen Verbindung erlaubt, mehrere Netzwerkpfade gleichzeitig zu nutzen. Standardisiert in RFC 8684, können damit etwa WLAN und Mobilfunk parallel für dieselbe Verbindung verwendet werden — mit mehr Bandbreite und besserer Ausfallsicherheit.

Idee: eine Verbindung, viele Pfade

Klassisches TCP bindet eine Verbindung an ein einziges Adresspaar. MPTCP ergänzt darum Subflows: mehrere normale TCP-Teilverbindungen, die zu einer logischen MPTCP-Verbindung zusammengefasst werden. Eine spezielle TCP-Option (DSS, Data Sequence Signal) trägt die Daten-Sequenznummern, sodass der Empfänger die Teile aus allen Subflows wieder in die ursprüngliche Reihenfolge bringen kann. Jeder Subflow hat eigene Flusskontrolle und eigene Verlustbehandlung.

Vorteile

  • Bandbreiten-Aggregation: Daten fließen parallel über WLAN und Mobilfunk — die nutzbare Übertragungsrate steigt.
  • Failover/Redundanz: Fällt ein Pfad aus (z. B. WLAN-Reichweite verlassen), laufen die anderen Subflows weiter — die Verbindung bleibt bestehen.
  • Nahtloser Wechsel: Beim Umstieg zwischen Netzen wird keine neue Verbindung aufgebaut, anders als bei klassischem TCP.

Einsatz in der Praxis

Apple integriert MPTCP seit iOS 7: Siri baut zum Beispiel eine primäre Verbindung über WLAN auf und zusätzlich eine Backup-Verbindung über Mobilfunk. Im Linux-Kernel ist MPTCP seit Version 5.6 (2020) im Hauptzweig enthalten; die Konfiguration erfolgt über sysctl-Parameter unter net.mptcp.*. Server von Google und Apple unterstützen MPTCP für ihre Dienste.

Kompatibilität und Grenzen

MPTCP ist abwärtskompatibel: Kann der Server kein MPTCP, funktioniert die Verbindung einfach als normales TCP weiter (Fallback über den MP_CAPABLE-Handshake). Grenzen gibt es trotzdem: Jeder Subflow erzeugt zusätzliche TCP-Optionen und damit etwas Overhead; Firewalls und NAT können einzelne Pfade blockieren; und weil viele Server MPTCP nicht anbieten, bleibt die Nutzung auf ausgewählte Dienste beschränkt. Die Übertragung selbst nutzt weiterhin TCP-Mechanismen wie MSS, SACK und Congestion Window.

Verwandte Grundlagen: QUIC, HTTP/3, IPv4/IPv6, Netzwerkpaket.