Die Sechste Normalform (6NF) ist die höchste Stufe der relationalen Normalisierung: Eine Relation liegt in 6NF vor, wenn jede Join-Abhängigkeit trivial ist – die Tabelle lässt sich also nicht weiter verlustfrei in kleinere Tabellen zerlegen, ohne Informationen zu verlieren. Die typische 6NF-Relation besteht aus einem Primärschlüssel und genau einem weiteren Attribut.

Herkunft: Chris Date und temporale Datenbanken

Die 6NF wurde Ende der 1990er-Jahre von C. J. Date zusammen mit Hugh Darwen und Nikos Lorentzos vorgeschlagen – ausführlich in ihrem Buch „Temporal Data & the Relational Model“ (2002/2003). Ziel war nicht die klassische OLTP-Normalisierung, sondern der Umgang mit temporalen Daten: Daten mit Gültigkeitszeiträumen wie „Gehalt gültig vom 1. Januar bis 30. Juni“.

Beispiel: Gehalt mit Gültigkeitszeitraum

Eine Tabelle Gehalt(Mitarbeiter, Betrag, Von, Bis) speichert mehrere Versionen je Mitarbeiter. In 6NF wird sie in atomare Einheiten zerlegt, sodass jede Relation nur noch einen Fakt enthält – etwa Gehalt_Betrag(Mitarbeiter, Betrag, Zeitraum). Dadurch entstehen keine Redundanzen und keine Anomalien, wenn sich einzelne Zeitintervalle ändern.

Einordnung

  • 6NF impliziert Fünfte Normalform (5NF) und ist strenger als alle niedrigeren Normalformen.
  • Die Join-Abhängigkeit ist das zentrale Kriterium: In 6NF existieren nur noch triviale Join-Abhängigkeiten.
  • In klassischen Geschäftsdatenbanken ist 6NF selten nötig; sie spielt vor allem bei temporale Datenbanken und in Data-Warehouse-/Anker-Modellen eine Rolle.
  • Die Mehrwertige Abhängigkeit ist der Spezialfall, der bereits zur Vierten Normalform (4NF) führt.

Verwandte Grundlagen: Datenbank-Normalisierung, 5NF, Join-Abhängigkeit.