Eine Mehrwertige Abhängigkeit (MVD) X →→ Y beschreibt, dass die Menge der Y-Werte einer Relation nur von X abhängt – unabhängig von allen übrigen Attributen Z. Sie wurde 1977 von Ronald Fagin eingeführt und ist die Grundlage der Vierten Normalform (4NF).
Beispiel: Mitarbeiter, Fähigkeiten und Projekte
Ein Mitarbeiter kann mehrere Fähigkeiten und mehrere Projekte haben. Speichert man beides in einer Tabelle Mitarbeiter(Name, Fähigkeit, Projekt), entsteht ein Kreuzprodukt: Bei 3 Fähigkeiten und 4 Projekten stehen 12 Zeilen, obwohl nur 7 Fakten existieren. Die MVD Name →→ Fähigkeit und Name →→ Projekt sind unabhängig voneinander – die Lösung ist die Zerlegung in zwei Tabellen.
Triviale und nichttriviale MVDs
- Trivial: Y ⊆ X oder X ∪ Y = alle Attribute der Relation – dann erzwingt die MVD keine Zerlegung.
- Nichttrivial: Die MVD verlangt eine Aufspaltung, sonst drohen Redundanz und Anomalien.
Einordnung
Eine MVD ist ein Spezialfall der Join-Abhängigkeit (binäre JD über zwei Attributmengen). Eine Relation ist in 4NF, wenn sie in BCNF vorliegt und keine nichttrivialen MVDs außer funktionalen Abhängigkeiten enthält. Die Fünfte Normalform (5NF) geht darüber hinaus und betrachtet alle Join-Abhängigkeiten; die Sechste Normalform (6NF) nur noch triviale.
Verwandte Grundlagen: 4NF, Join-Abhängigkeit, 5NF, Datenbank-Normalisierung.