Zeitscheibe (englisch: time slice oder time quantum) ist die Zeitspanne, die ein Prozess beim Scheduling ununterbrochen auf der CPU laufen darf, bevor der Scheduler entscheidet, ob ein anderer Prozess an die Reihe kommt. Durch die schnelle Rotation der Zeitscheiben entsteht der Eindruck paralleler Ausführung — das Prinzip des Time-Slicing.

Typische Werte und Wirkung

  • Klassische Round-Robin-Systeme nutzen Zeitscheiben von etwa 10–100 ms; Linux arbeitet mit dynamischen Werten (Standard-Granularität je nach Last, oft wenige ms).
  • Zu kurze Zeitscheiben: häufige Kontextwechsel erzeugen Overhead und senken den Durchsatz.
  • Zu lange Zeitscheiben: interaktive Programme wirken träge, die Reaktionszeit steigt.

Der optimale Wert ist ein Kompromiss: Kurz genug für flüssige Interaktion, lang genug, um den Kontextwechsel-Aufwand klein zu halten. Moderne Scheduler (z.B. CFS/EEVDF in Linux) verzichten auf feste Quanten und berechnen die Zeitscheibe dynamisch aus Last und nice-Wert.

Zeitscheibe und Preemption

Nach Ablauf der Zeitscheibe greift die Preemption: Der laufende Prozess wird unterbrochen und in die Warteschlange zurückgestellt. Round Robin (RR) dreht die Prozesse zyklisch durch — jeder erhält reihum eine gleich lange Zeitscheibe, was Starvation verhindert. Echtzeit-Klassen wie SCHED_FIFO verzichten dagegen auf Zeitscheiben und laufen, bis sie selbst die CPU abgeben.

Verwandte Grundlagen: Multitasking, Thread, Nebenläufigkeit, CPU, Hyper-Threading.