Als Heizkurve (auch Heizkennlinie) bezeichnet man den Zusammenhang zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur eines Heizkreises. Sie ist die zentrale Einstellung einer witterungsgeführten Regelung: Der Regler misst die Außentemperatur und leitet daraus ab, wie warm das Heizwasser in die Heizflächen strömen muss, damit die Räume ihre Solltemperatur gerade noch erreichen. Weil Wärmeabgabe und Wärmebedarf nicht linear verlaufen, ist der Verlauf der Kurve leicht gekrümmt und nicht gerade. Große Anlagen mit Gebäudeleittechnik beziehen zusätzlich die Windgeschwindigkeit, gespeicherte Wärme der Gebäudehülle oder sogar eine Wettervorhersage ein.

Die Parameter der Heizkurve

  • Steilheit (Neigung) – sie bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur steigt. Eine Steilheit von 1,5 bedeutet: ein Kelvin kältere Außenluft hebt den Vorlauf um 1,5 Kelvin. Konventionelle Radiatorenheizungen liegen typisch bei 1,4 bis 1,6. Fußboden- und Wandheizungen reagieren wegen ihrer großen Fläche deutlich stärker auf eine Erhöhung des Vorlaufs und kommen deshalb mit etwa 0,5 bis 0,8 aus, im gut gedämmten Neubau teils mit 0,3 bis 0,5. Eine Steilheit über 1,5 ist in der Regel nur bei alten, undichten Gebäuden erforderlich, in denen der Kamineffekt warme Raumluft nach außen zieht.
  • Parallelverschiebung (Niveau) – sie hebt oder senkt die gesamte Kurve, ohne ihre Form zu ändern. Damit lässt sich nachjustieren, wenn ein Gebäude dauerhaft etwas zu warm oder zu kalt ist.
  • Fußpunkt – der Startpunkt der Kurve. Häufig liegt er bei 20 Grad Außentemperatur und 20 Grad Vorlauf, weil darunter allein durch Personen, Geräte und Sonneneinstrahlung noch kein Heizbedarf besteht.
  • Heizgrenze – überschreitet die Außentemperatur diesen Wert, stellt der Regler die Heizung ab. Typisch sind rund 15 Grad.
  • Nachtabsenkung – sie wirkt wie eine Parallelverschiebung nach unten für die Nachtstunden. Feste Richtwerte gibt es nicht, weil die Tag-Nacht-Differenz regional sehr verschieden ausfällt.

Richtig einstellen

Die Steilheit stellt man bei Außentemperaturen unter null Grad ein, die Parallelverschiebung bei Werten über fünf Grad – andernfalls überlagern sich beide Wirkungen. Die Heizkörperventile bleiben dabei voll geöffnet. Anschließend wird ein bis zwei Tage beobachtet, ob die Wunschtemperatur gerade noch erreicht wird; Steilheit und Niveau werden dann schrittweise zurückgenommen. Zu beachten ist, dass eine Erhöhung der Parallelverschiebung auch die Vorlauftemperatur am Kurvenende verändert, weshalb die Steilheit dann wieder etwas gesenkt werden sollte. Die werksseitig hinterlegten Standardwerte sind häufig auf Sicherheit ausgelegt und damit zu hoch.

Warum eine flache Kurve wichtig ist

Je flacher die Heizkurve, desto niedriger der Vorlauf und desto geringer die Verteilungsverluste. Bei Wärmepumpen wirkt sich das unmittelbar auf den Wirkungsgrad aus: ein Kelvin weniger Vorlauftemperatur bringt je nach Ausgangswert etwa zwei bis vier Prozent weniger Stromverbrauch und verbessert die Jahresarbeitszahl. Bei einer Wärmepumpe ist eine flache Kurve deshalb keine Feinheit, sondern Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb. Bei Brennwertgeräten entscheidet dagegen vor allem die Rücklauftemperatur, weil sie festlegt, ob der Wasserdampf im Abgas noch kondensieren kann.

Abgrenzung und Zusammenspiel

Die Heizkurve liefert nur den Sollwert für den Erzeuger. Erst der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass dieser Sollwert auch an jedem Heizkörper ankommt – ohne ihn strömt zu viel Wasser durch die nahen Heizkörper und zu wenig durch die entfernten. Beide Maßnahmen gehören deshalb zusammen: eine flache Kurve ohne Abgleich führt zu unterversorgten Räumen, ein Abgleich ohne abgesenkte Kurve verschenkt Energie. Ein Wärmespeicher wie ein Pufferspeicher kann zusätzlich helfen, Erzeuger- und Heizkreistemperatur zu entkoppeln.

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